Sie sind hier: Startseite Forschungsschwerpunkte Politische Ökologie

Politische Ökologie

 
Arbeiten der politisch-ökologischen Forschung beschäftigen sich mit Themen im Schnittfeld von physisch-materiellen Prozessen und Gesellschaft. Im Fokus stehen dabei Ursachen, Konsequenzen und politische Aushandlungen globaler Umweltveränderungen sowie umweltbezogene Fragestellung auf der lokalen Ebene.
 
Im Rahmen von Arbeiten der politisch-ökologischen Forschung werden in der Freiburger Humangeographie sehr unterschiedliche Themen bearbeitet, die entwicklungsbezogene Fragestellungen ebenso beinhalten, wie Konflikte um Ressourcenausbeutung oder Themen der nachhaltigen Stadtentwicklung. Zwei Perspektiven sind in der Untersuchung dieser Gegenstände im Sinne der Politischen Ökologie zentral: Zum einen werden umweltbezogene Politiken und Konflikte als Ausdruck gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse und Machtverhältnisse verstanden. Eine solche Sichtweise lenkt den Blick auf Fragen der gesellschaftlichen Teilhabe an Ressourcen und der In- und Exklusion unterschiedlicher sozialer Gruppen in umweltbezogenen Entscheidungen. Zum Zweiten werden umweltbezogene Planungen, Politiken und Konflikte als Ausdruck des Zusammenwirkens von Prozessen über eine Vielzahl von Skalen hinweg interpretiert und als Ausdruck der konkreten Kontextualisierung von Prozessen des globalen Wandels.
 

Projekte mit Bezug zu Politischer Ökologie


  • Geographien der Umsiedlung im Kontext von Multiskalenprozessen der Umweltdegradation – eine Fallstudie küstennaher Umsiedlung im ghanaischen Volta River Delta
    Projektleitung
    Fünfgeld H, Neu F (Team)
    Laufzeit
    01.12.2019 bis 30.11.2022
    Beschreibung
    Staatlich angeleitete Umsiedlungsmaßnahmen traten in den letzten Jahrzehnten im Globalen Süden vermehrt als in Kauf zu nehmende Begleiterscheinung großer Staudammprojekte auf (vgl. Rogers/Wilmsen 2019). Doch inzwischen findet Umsiedlung auch als Reaktion auf durch den Klimawandel verstärkt auftretende Extremwetterereignisse statt (vgl. bspw. Arnall 2014). Auf globaler Ebene als besonders vulnerabel gelten niedrig gelegene Küstenregionen, die oftmals eine hohe Bevölkerungsdichte aufweisen und durch den weltweiten Meeresspiegelanstieg von Überschwemmung und Küstenerosion bedroht sind. In manchen Bereichen des Volta-Deltas im Südosten Ghanas wurde – ausgelöst durch eine Kombination aus Meeresspiegelanstieg und durch den Akosombo-Staudamm zurückgehaltene Sedimente – die Küstenlinie um bis zu drei Kilometer ins Landesinnere verlagert. Dadurch fielen ganze Dörfer der Erosion der Atlantikküste zum Opfer. Aus diesem Grund wurde von staatlicher Seite ab 2017 ein Umsiedlungsdorf für mehrere Hundert betroffene Haushalte auf einem künstlich aufgeschütteten Landstrich in der Lagune von Keta, östlich der Mündung des Volta-Flusses, errichtet. Bisher wurden Studien zu Umsiedlung hauptsächlich im Rahmen von Staudamm-Projekten durchgeführt, die allerdings oftmals lediglich auf eine Optimierung des Umsiedlungsprozesses abzielen. Auf dem Weg zu einer tiefergehenden, kritischen Auseinandersetzung mit Umsiedlung im Sinne einer Critical Geography of Resetttlement (vgl. Rogers/Wilmsen 2019) fehlt es an aktueller Forschung. Das Forschungsprojekt möchte einen Beitrag zu diesem neuen Forschungsfeld leisten und untersucht darum das oben beschriebene ghanaische Beispiel im Rahmen einer Fallstudie. Auf übergeordneter Ebene befasst es sich mit Geographien der Umsiedlung im Kontext von Multi-Skalen-Prozessen des Umweltwandels und der Umweltdegradation, welche aus dem Blickwinkel der Politischen Ökologie beleuchtet wird. Dabei bilden theoretische Konzepte wie Macht (u.a. Foucault), Gewalt (u.a. Watts, Nixon) und Gerechtigkeit (u.a. Rawls, Sen) die Grundlage des Analyserahmens. Das Forschungsprojekt legt den Fokus auf drei Schlüsselelemente innerhalb von Umsiedlungsprozessen: Akteure, Macht und Interessen. In Anknüpfung daran werden drei Forschungsfragen analysiert: 1) Wie verwend(et)en unterschiedliche Akteure ihre jeweilige Macht um den Umsiedlungsprozess auf eine Weise zu beeinflussen, die ihren eigenen oder Interessen bestimmter anderer Akteure dient(e)? 2) Wie und von wem wurde die Umsiedlung legitimiert? 3) Welche sozialen, politischen und ökonomischen Auswirkungen auf umgesiedelte Personen bestehen und wie können diese auf bestimmte Umsiedlungspraktiken zurückgeführt werden? Im Rahmen des Forschungsprojektes werden mehrere Feldforschungsaufenthalte durchgeführt. Der dabei angewandte Methodenkoffer setzt sich aus qualitativen und ethnographischen Forschungsmethoden der Geographie zusammen.
    Ansprechpartner
    Friedrich Neu
    Tel.: +49(0)761 203-54233
    Email: friedrich.neu@geographie.uni-freiburg.de
    Finanzierung
    DAAD (Feldforschung)
  • Die Vermarktlichung von Sanden in Kambodscha: globale Vernetzungen, Konflikte und Materialitäten (DFG, 2018-2021)
    Projektleitung
    Mattissek A, John R (Team)
    Laufzeit
    01.11.2018 bis 31.10.2021
    Beschreibung
    Sand ist eine Ressource, bei der auf den ersten Blick kaum jemand an Konflikte denkt. Entsprechend ist die Gewinnung von Sand im Kontext der Globalisierung bislang kaum Gegenstand wissenschaftlicher oder öffentlicher Debatten. Doch obwohl Sand auf den ersten Blick weder selten noch wertvoll erscheint, ist er in vielen Regionen der Erde durch Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und die Entwicklung von Beton zum meistverwendeten Baustoff geworden und damit zu einer knappen Ressource. In Südostasien, geprägt durch einen exzessiven Bauboom, werden Unmengen von Sand und Kies (Bauaggregate) zur Erstellung von Gebäuden, Infrastruktur, für Landverfüllungen und Landgewinnungen verwendet. Dadurch wird Sand zu einer ökonomisch zunehmend wertvollen Ressource, die in hohen Volumina benötigt, flächenhaft abgebaut und zu steigenden Preisen über weite Distanzen gehandelt wird. Der Sandabbau bleibt dabei nicht ohne Folgen, sondern führt zu teils massiven ökologischen Schäden und daraus resultierenden Konflikten mit betroffenen Bevölkerungsgruppen. Die Inwertsetzung von Sand reiht sich damit ein in Prozesse der Vermarktlichung natürlicher Rohstoffe, die in der Humangeographie unter dem Gesichtspunkt einer „Neoliberalisierung von Natur“ diskutiert werden (Bakker 2010). Entsprechende Studien haben gezeigt, dass marktwirtschaftliche Verwertungslogiken häufig zu negativen sozialen und ökologischen Effekten führen. Gleichzeitig haben sie herausgearbeitet, dass Prozesse und Mechanismen der Vermarktlichung und Neoliberalisierung an unterschiedlichen Orten sehr verschieden ablaufen und zu heterogenen und ambivalenten Effekten führen. Das beantragte Projekt untersucht die entstehenden Konflikte um die Vermarktlichung von Sanden in Kambodscha als konkrete Manifestation marktwirtschaftlicher Prozesse in Interaktion mit materiellen Ressourcen. Mit Hilfe eines qualitativen und quantitativen Methodensets und unter Rückgriff auf Ansätze der Global Ethnography (Burawoy 2000; Tsing 2005) und des neuen Materialismus (Bakker 2010; Mattissek und Wiertz 2014) werden drei übergreifende Forschungsfragen analysiert: (1) Welche globalen und regionalen Einflussfaktoren wirken auf die Entstehung und Transformation des südostasiatischen Sandmarktes ein, und wie verändern sich dadurch Handelsrouten und -beziehungen? (2) Welche Rolle spielen die Akteure, die an der Etablierung des Sandmarktes beteiligt sind oder Widerstand gegen den Abbau und Handel von Sanden leisten? Wie verändern sich ihre jeweiligen Spielräume, Strategien und Praktiken unter dem Einfluss globaler Vernetzungsprozesse? (3) In welchen Beziehungen stehen die geologischen, biophysischen (nicht-menschlichen) und gesellschaftlichen Prozesse und Entitäten des Sandmarktes und wie beeinflussen sie dessen Eigenschaften und Dynamiken?
    Ansprechpartner
    Prof. Dr. Annika Mattissek; Robert John
    Email: annika.mattissek@geographie.uni-freiburg.de; robert.john@geographie.uni-freiburg.de
    Finanzierung
    Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)