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Projekte und Forschungsvorhaben


  • Digital Geopolitics: Geopolitische Leitbilder der „Neuen Rechten“ in digitalen Medien (DFG 2021–2024)
    Projektleitung
    Wiertz T, Schopper T (Team)
    Laufzeit
    01.03.2021 bis 28.02.2024
    Beschreibung
    Extrem rechte Weltbilder haben in den vergangenen Jahren maßgeblichen Einfluss auf den gesellschaftlichen Diskurs in Deutschland genommen, und die Verstärkungsmechanismen digitaler und sozialer Medien erweitern das potenziell erreichbare Publikum für entsprechende Weltbilder enorm. Die „Neue Rechte“ hat sich zum Ziel gesetzt, dieses Potenzial für sich zu nutzen, um (alte) nationalistische, menschenfeindliche und autoritäre Denkmuster in Gesellschaft und Politik wieder salonfähig zu machen. Doch wie genau funktioniert diese Diskursproduktion? Welche Themen greift die „Neue Rechte“ auf und wie bezieht sie sich auf aktuelle Themen wie Migration, Grenzen, Gesundheit oder Naturschutz? Welche Rolle kommt digitalen Medien und ihrer Tendenz zu multimodalen und affektbetonten Äußerungen zu? Diesen Fragen wird das Forschungsprojekt über drei Jahre lang nachgehen und dazu systematisch Äußerungen auf Blogs, Twitter, Telegram und Youtube auswerten. Ziel ist es, geopolitische Motive und die mit ihnen verknüpften Affekte zu identifizieren und deren Resonanz und Verbreitung im Raum digitaler Medien zu analysieren. Thematisch leistet das Projekt damit einen Beitrag zur aufkommenden Auseinandersetzung mit „Neuen Rechten“ Bewegungen in der Politischen Geographie sowie zu aktueller Forschung über die mediale Vermittlung geopolitischer Leitbilder im Sinne der Popular Geopolitics. Theoretisch knüpft das Projekt an diskursanalytische Arbeiten in der Politischen Geographie an, entwirft jedoch ein assemblagetheoretisches Diskurskonzept, dass neben inhaltliche Regelhaftigkeiten die Affektpotenziale von Äußerungen sowie ihre mediale Resonanz und Zirkulation in die Analyse einbezieht. Um ein solches Konzept methodisch umzusetzen und den Besonderheiten digitaler Medien Rechnung zu tragen, kombiniert das Projekt quantitative und qualitative Methoden aus Diskurs-, Affekt- und Medienforschung. Mithilfe digitaler Verfahren wird so eine Forschungsdatenbank im Umfang von ca. 30 Mio. Tweets, 10.000 Blogbeiträgen und 1.500 Youtube-Videos erstellt. Im ersten, quantitativen Analyseschritt werden politische Themen und Ereignisse identifiziert, auf die sich Beiträge der „Neuen Rechten“ im Untersuchungszeitraum beziehen. Es folgt eine qualitativen Detailanalyse für drei ausgewählte Themen, um geopolitische Motive und die mit ihnen verknüpften Affekte zu identifizieren. Diese werden in einem dritten Schritt auf ihre Resonanz und Zirkulation in den analysierten Medien untersucht. Über den Verlauf, die Methodik und die Ergebnisse des Forschungsprojekts berichten wir regelmäßig auf dem Projektblog. [https://human.geographie.uni-freiburg.de/blog/]
    Ansprechpartner
    Wiertz T
    Email: digital.geopolitics@geographie.uni-freiburg.de
    Finanzierung
    DFG
  • Die Vermarktlichung von Sanden in Kambodscha: globale Vernetzungen, Konflikte und Materialitäten (DFG, 2018-2021)
    Projektleitung
    Mattissek A, John R (Team)
    Laufzeit
    01.11.2018 bis 31.10.2021
    Beschreibung
    Sand ist eine Ressource, bei der auf den ersten Blick kaum jemand an Konflikte denkt. Entsprechend ist die Gewinnung von Sand im Kontext der Globalisierung bislang kaum Gegenstand wissenschaftlicher oder öffentlicher Debatten. Doch obwohl Sand auf den ersten Blick weder selten noch wertvoll erscheint, ist er in vielen Regionen der Erde durch Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und die Entwicklung von Beton zum meistverwendeten Baustoff geworden und damit zu einer knappen Ressource. In Südostasien, geprägt durch einen exzessiven Bauboom, werden Unmengen von Sand und Kies (Bauaggregate) zur Erstellung von Gebäuden, Infrastruktur, für Landverfüllungen und Landgewinnungen verwendet. Dadurch wird Sand zu einer ökonomisch zunehmend wertvollen Ressource, die in hohen Volumina benötigt, flächenhaft abgebaut und zu steigenden Preisen über weite Distanzen gehandelt wird. Der Sandabbau bleibt dabei nicht ohne Folgen, sondern führt zu teils massiven ökologischen Schäden und daraus resultierenden Konflikten mit betroffenen Bevölkerungsgruppen. Die Inwertsetzung von Sand reiht sich damit ein in Prozesse der Vermarktlichung natürlicher Rohstoffe, die in der Humangeographie unter dem Gesichtspunkt einer „Neoliberalisierung von Natur“ diskutiert werden (Bakker 2010). Entsprechende Studien haben gezeigt, dass marktwirtschaftliche Verwertungslogiken häufig zu negativen sozialen und ökologischen Effekten führen. Gleichzeitig haben sie herausgearbeitet, dass Prozesse und Mechanismen der Vermarktlichung und Neoliberalisierung an unterschiedlichen Orten sehr verschieden ablaufen und zu heterogenen und ambivalenten Effekten führen. Das beantragte Projekt untersucht die entstehenden Konflikte um die Vermarktlichung von Sanden in Kambodscha als konkrete Manifestation marktwirtschaftlicher Prozesse in Interaktion mit materiellen Ressourcen. Mit Hilfe eines qualitativen und quantitativen Methodensets und unter Rückgriff auf Ansätze der Global Ethnography (Burawoy 2000; Tsing 2005) und des neuen Materialismus (Bakker 2010; Mattissek und Wiertz 2014) werden drei übergreifende Forschungsfragen analysiert: (1) Welche globalen und regionalen Einflussfaktoren wirken auf die Entstehung und Transformation des südostasiatischen Sandmarktes ein, und wie verändern sich dadurch Handelsrouten und -beziehungen? (2) Welche Rolle spielen die Akteure, die an der Etablierung des Sandmarktes beteiligt sind oder Widerstand gegen den Abbau und Handel von Sanden leisten? Wie verändern sich ihre jeweiligen Spielräume, Strategien und Praktiken unter dem Einfluss globaler Vernetzungsprozesse? (3) In welchen Beziehungen stehen die geologischen, biophysischen (nicht-menschlichen) und gesellschaftlichen Prozesse und Entitäten des Sandmarktes und wie beeinflussen sie dessen Eigenschaften und Dynamiken?
    Ansprechpartner
    Prof. Dr. Annika Mattissek; Robert John
    Email: annika.mattissek@geographie.uni-freiburg.de; robert.john@geographie.uni-freiburg.de
    Finanzierung
    Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • Biopolitics of migration and borders: an assemblage approach
    Projektleitung
    Wiertz T
    Laufzeit
    seit 01.01.2017 (unbegrenzt)
    Beschreibung
    Critical research on migration, borders and camps has used the notion of biopolitics to interrogate how sovereign power or the state differentiate and govern the life of mobile populations. Yet despite its popularity, biopolitical theory is not without limitations, particularly when used as an analytic lens for empirical research. In addition to a lack of clarity about the precise meaning of biopolitics, many theorists are concerned with grand historical shifts and diagnoses and binary oppositions between life and death, inclusion and exclusion, bare life and political rights. Such oppositions have been challenged by recent research on migration, borders and camps that points to complex and nuanced differentiations of belonging and citizenship, the ambiguity of power relations, and prioritizes the agency and experience of individuals over structuralist conceptions of oppression. Against this background, the project explores how the works of Deleuze and Guattari offer terms and concepts that can be made useful to reconsider biopolitics as an analytic approach for empirical research. Assemblage thinking challenges traditional oppositions between the individual and the collective, structure and agency, oppression and resistance and may thus be more sensitive to the complexity of power relations that integrate the life of migrants.
    Ansprechpartner
    Wiertz T
    Email: thilo.wiertz@geographie.uni-freiburg.de
    Finanzierung
    Eigenmittel
  • Theoretische und methodische Perspektiven für eine digitale Diskursforschung
    Projektleitung
    Wiertz T, Mattissek A, Schopper T (Team)
    Laufzeit
    seit 01.01.2016 (unbegrenzt)
    Beschreibung
    Diskursanalytische Arbeiten in der Humangeographie haben an vielfältigen Beispielen die sprachliche Konstruktion und Repräsentation räumlicher Prozesse herausgearbeitet. Bislang kaum betrachtet wurden dabei die theoretischen und methodologischen Herausforderungen, die sich aus der Verlagerung gesellschaftlicher Kommunikation in den Raum digitaler und sozialer Medien ergeben. Das Projekt erarbeitet theoretische und methodische Ansätze, um die technisch-materielle Dynamik der Verteilung von Äußerungen im digitalen Raum ins Verhältnis zu sprachlich-symbolischen Verknüpfungen zu setzen. Dabei bezieht es sich auf die philosophischen Arbeiten von Gilles Deleuze und Felix Guattari und aktuelle Diskussionen um Assemblagetheorie und Affektforschung in der Geographie. Methodisch greift das Projekt aktuelle Entwicklungen in Korpuslinguistik, Natural Language Processing, Machine Learning und quantitativer Netzwerkforschung auf, um das Methodenset der humangeographischen Diskursforschung weiterzuentwickeln.
    Ansprechpartner
    Wiertz T, Mattissek A
    Email: thilo.wiertz@geographie.uni-freiburg.de
    Finanzierung
    Eigenmittel